07 März 2018

Arbeitskreis Frühe Hilfen unterstützt bundesweite Aufklärungskampagne des “Bündnis gegen Schütteltrauma”

Bild oben: Stephanie Clausing (von links), Doris Maihöfer, Christel Varrelmann, Ute Hartmann-Höhnke, Sabine Hegemann, Anja Stahlhut, Gisela Schäfer wollen über Risiken informieren und Hilfe für überforderte Eltern anbieten.

Viele kennen die Gefahr gar nicht

Landkreis. Nicht erst seitdem ein drei Monate alter Säugling in Lindhorst im November mutmaßlich zu Tode geschüttelt wurde, befassen sich Expertinnen in Schaumburg mit dem Risiko Schütteltrauma.

Schon im vergangenen Herbst ist der Arbeitskreis „Frühe Hilfen“ auf die bundesweite Aufklärungskampagne vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen aufmerksam geworden, die nun auch kreisweit über Broschüren und Plakate Gehör finden soll.

Staatsanwalt Nils Holger Dreißig erklärte auf Anfrage, dass der im November verhaftete Vater des Kindes immer noch in Untersuchungshaft sitzt und in Kürze Anklage gegen ihn erhoben werde. „Die Ergebnisse der Obduktion des Säuglings liegen nun vor“, sagt Dreißig, ohne nähere Details dazu preisgeben zu können.

Einer Studie von 2009 zufolge, wird das Schütteltrauma in deutschen Kliniken bei bis zu 200 Säuglingen pro Jahr diagnostiziert. Apathie, Erbrechen, Krampfanfälle, schwerste körperliche oder geistige Schäden bis zum Atemstillstand können Kinder erleiden, zehn bis 30 Prozent ereilt der Tod. „Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da nicht alle betroffenen Kinder medizinisch behandelt werden“, sagt Anja Stahlhut, Koordinatorin des Arbeitskreises. Eine aktuelle Umfrage des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen belegt jedenfalls, wie schlecht Eltern informiert sind. 42 Prozent der Befragten wussten mit dem Begriff Schütteltrauma nichts anzufangen.

Wie oft Kinder in Schaumburg tatsächlich in Gefahr geraten, weil ihre Eltern sie aus einer Überreaktion heraus zu grob anfassen, können die Fachfrauen aus Ämtern, Awo, Caritas, Kinderschutzbund, Klinikum und Paritätischer Lebenshilfe nur erahnen. Vergleichbare Fälle kenne keine von ihnen aus den zurückliegenden Jahren.

„Es könnte bei uns durchaus häufiger als im bundesdeutschen Durchschnitt vorkommen“, vermutet Christel Varrelmann vom Kinderschutzbund. „In den Kindertagesstätten gibt es zunehmend verhaltensauffällige Kinder, die Frühförderung platzt aus allen Nähten.“

Die Kampagne soll nun insbesondere Eltern von Säuglingen mit Regulationsproblemen ermutigen, sich frühzeitig Entlastung und professionelle Hilfe zu suchen. Denn die sogenannten Schreikinder können selbst, wenn sie rundum versorgt, ohne erkennbaren Grund weiter keine Ruhe geben. „Im ersten Lebensjahr gibt es eine Phase, in der es ganz normal ist, dass Säuglinge am Tag zwei Stunden oder länger schreien“, erklärt Stahlhut. Ab dem vierten Monat gehe diese Phase aber meistens vorüber.

In einfachen Notfallschritten empfiehlt die Aufklärungsbroschüre, das schreiende Kind abzulegen, den Raum zu verlassen, durchzuatmen und eventuell direkte Unterstützung aus der Familie zu holen. Stahlrut rät: „Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme, wenden Sie sich an die Schreiambulanz des Kinderschutzbundes oder an das Elterntelefon.“

  • Schreiambulanz 05721 – 72474
  • Fachdienst Frühe Hilfen 05721 – 8909217
  • Elterntelefon 0800 – 1110550

Quelle: Bild und Text Schaumburger Nachrichten

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